Balticult 2011
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Im Dezember 1992 haben wir uns an zwei Orten der Hansestadt Rostock gegründet, und zwar informell im alten Szene-Klub „Mau“ (Güterbahnhof), danach formell - per Urversammlung - in der damaligen "Galerie Strandkiste", im Fünf-Giebel-Haus, um im Zeichen des Wendegeistes von 1989/90 Bildungs- und Kulturaustausch mit Partnern in den alten und neuen Bundesländern sowie in den übrigen Ostsee-Anrainerstaaten zu fördern beziehungsweise selbst durchzuführen.

Anfangs unterhielten wir ein Aktionsbüro im "Rostocker Freizeitzentrum", in der Kuphalstraße. 1995 verlegten wir unseren Hauptsitz an Bord des Kulturschiffs MS Stubnitz, welches entweder im Stadthafen an der Pier liegt oder in anderen Häfen in Nord- und Ostsee Gastspiele gibt. Es wird von Urs Blaser geleitet, der auch unserem Sachverständigen-Beirat angehört.

Seit 1993 unterhalten wir interkulturelle Beziehungen zu Austauschpartnern im Ausland. Was mit dem Folklore-Ensemble "Sudmalinas" (zu Deutsch: Mühlchen)  im nordlettischen Valka begann, entwickelte sich mittlerweile zu einem kleinen Austausch- und Kooperationsnetzwerk mit Partnern auch an anderen Orten der Republik Lettland sowie in Litauen, Estland, Polen, Russland, Schweden, Norwegen, Dänemark, Irland und Frankreich (Region Bretagne).

Im April 1994 unterzeichneten wir einen Kooperationsvertrag mit der Heimvolkshochschule Vogelsang e. V., die in einem Jagdschlossgebäude aus dem Jahre 1884 untergebracht ist, über die Einrichtung einer Außenstelle für die Salzhaff-Region (Kreis Nordwestmecklenburg). Unseren ersten Wochenendworkshop führten wir im nachbarlichen Alt Bukow durch, alle weiteren dann in Vogelsang.

Bereits in den 90er Jahren hatten wir uns an der Ausrichtung von westöstlichen Musiktreffen im ostholsteinischen Klingberg beteiligt. Bis zur Jahrtausendwende waren wir für unsere gesamtdeutschen Blues-Workshops in Vogelsang bei Wismar über den Landesteil Mecklenburg hinaus bekannt. Inzwischen haben sich dieselben zu thematisch und stilistisch erweiterten West-Ost-Treffen handgemachter Musik gemausert, bei denen auch freie Kunst sowie Kunsthandwerk zur Geltung kommen. Diese Musik-, Kunst- und Kunsthandwerkstreffen, die wir unter der Bezeichnung OktoberSound ausrichten, sind für uns kreative Formen kultureller Entäußerung  sowie Entfaltung von Laien, Amateuren und Profis aller Altersstufen.  

Wir sind seit langem Partner von Büro und Verein Hanse Sail Rostock, was unsere maritime Ausrichtung auf den Ostseeraum als Tätigkeitsfeld unterstreicht.

Seit 2004 beteiligen wir uns an Treffen und Foren von Nichtregierungsorganisationen, kurz NROs genannt, um Gedankenaustausch vorzunehmen, Diskurse durchzuführen und verschiedene Formen von Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern innerhalb des Ostseeraums zu bewerkstelligen.

Im Allgemeinen, vor allem bei internationalen Foren und Verhandlungen, wird für jene nichtstaatlichen Organisationen das englische Kürzel "NGO" (nongovernmental organization) verwendet.

Vor dem Hintergrund vielfältiger Verbindungen zu Kooperationspartnern und Freunden im Kreis Ludwigslust, insbesondere in der Lewitz-Region, mit Neustadt-Glewe als "Tor zur Lewitz", ergaben sich 2006 Vorverhandlungen für die Schaffung einer Außenstelle im Ortsteil Tuckhude mit der Bezeichnung "Lewitztor", die im Frühjahr 2007 zu einer vertraglichen Regelung führten. Leider musste sie in diesem Jahr aufgrund von Management-Entscheidungen des Vermieters, die wir nicht zu verantworten haben, wieder geschlossen werden.

In ganz Europa entfaltet sich eine sogenannte "Mittelalterszene". Sie umfasst auch jene Leute, die sich vor allem für die geschichtliche Phase des frühen Mittelalters interessieren. Mitunter vermengt sich die Mittelalterszene mit Kreisen der experimentellen Archäologie. Einige Balticult-Mitglieder nehmen aktiv und in historischer Gewandung an Projekten, Festen und Zusammenkünften jener Szene teil, als Teilbereich unseres geschichtsbezogenen Engagements.

Angefangen hat es mit dem alljährlich in der Kleinstadt "Neustadt-Glewe" an der Elde stattfindenden Burgfest. Seit einiger Zeit tauchen Reenactment-Darsteller aus den Reihen unserer Mitglieder auch an anderen Orten auf, wie beispielsweise in "Penzlin" oder "Oldenburg in Holstein". Diese geschichtsbezogene und damit auch identitätsstiftende Tätigkeit ist uns ein ernstes Anliegen, wenngleich der Spaß dabei nicht zu kurz kommt.

Wir sind Leute unterschiedlichen Alters, verschiedener Berufe, Wirtschafts- und Kunstsparten. Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen (westliche Lausitz), Schleswig-Holstein und Hamburg sowie in den Ostsee-Anrainerstaaten Lettland (Region Vidzeme) und Litauen (Kaunas) beheimatet. Ein litauisches Mitglied lebt zur Zeit in Schottland. 

Balticult-Mitglieder und Freunde anlässlich einer Mitgliederversammlung vor dem Hauptsitz "MS Stubnitz" im Hamburger Baakenhafen (2011)
Crew-Mitglieder in der Mannschaftsmesse des Kulturschiffes MS Stubnitz
Während der ersten Zeit unserer Existenz unterhielten wir ein Aktionsbüro im Rostocker Schüler-, später Freizeitzentrum ("RFZ") genannten Kinder- und Jugendzentrum.

Die 1995 erfolgte Verlegung unseres Hauptsitzes an Bord des Kulturschiffs MS Stubnitz, das von Urs Blaser und seiner Crew durch alle finanziellen und kulturellen Sturmlagen hindurch manövriert wird, eröffnete uns völlig neue Möglichkeiten an Zusammenkünften und Veranstaltungen. Obwohl unsere meisten Mitglieder an Land leben und wirken, fühlen wir uns alle dem Schiff und jenen, die auf ihm wirken und leben, sehr verbunden. Die MS Stubnitz ist körperschaftliches Mitglied der Kultur- und Bildungsgesellschaft Balticult. Zuletzt unternahm die MS Stubnitz eine Reise nach Amsterdam, wo sie infolge mehrerer Verlängerungen durch die Einladenden ein langfristiges Gastspiel gibt.

Seit unserer Gründung haben wir uns mit Musik, Kunst, Landeskultur, Geschichte, politischen Fragen sowie Kultur- und Bildungsaustausch innerhalb des Ostseeraums und mit Partnern in einzelnen Regionen des wirklichen „Westens“ Europas beschäftigt. Dies hat dazu geführt, dass uns heute Leute innerhalb einer geografischen Weite kennen, die von Kiltimagh (Co. Mayo) im westlichen Teil der Republik Irland bis Sankt Petersburg (Russland) und Vyborg in Karelien reicht.

Wir verfügen neben unserem Hauptsitz in Rostocks Stadthafen über Außenstellen in Nordwestmecklenburg (im Jagdschloss-Gebäude der Heimvolkshochschule Vogelsang e. V.) sowie in der Freien und Hansestadt Hamburg, im Stadtviertel Altonaer Altstadt.

Leute, die keine Lust haben, ihre Meinungsfreiheit Eingängen von Parteigebäuden, Kircheneinrichtungen, Vorzimmern großer Verbände oder von Konzernleitungen abzugeben, sondern ihre verbrieften Grundrechte wahrnehmen wollen, besuchen unsere politisch-interkulturellen Workshops, die vorrangig bei Partnern im Kreis Nordwestmecklenburg stattfinden.

Wir setzen uns für eine interregionale Kulturbrücke ein, die im Westen bis zum Atlantik und östlich bis Russland und Finnland reicht, unter Einbeziehung des Baltikums und ganz Skandinaviens. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sehen wir als geografischen wie kulturellen Stützpfeiler, in der Mittellage einer Kulturbrücke zwischen Ost und West.

In unser Konzept beziehen wir auch deutsche und ausländische Hansestädte mit ein, wie beispielsweise Bremen, Hamburg, Wismar, Rostock, Demmin, Gdansk oder Riga.

Es geht uns um Belebung und Förderung des interregionalen Austauschs auf den Gebieten, Bildung, Wirtschaft und Kultur. Als konkreter politisch-geografischer sowie daseinsbedingter Bezugsrahmen für Bildungs- und Kulturaustausch dient uns die Region. Auf der Grundlage dieses konkreten Gestaltungsraums menschlichen Handelns von überschaubarer Größe bemühen wir uns um gleichberechtigte Zusammenarbeit im Ostseeraum und sehen uns damit als Teil einer gesamteuropäischen Bewegung. Wir sind bemüht, dem ‚Geist der Wende’ von 1989/90 eine zeitgemäße Form des Ausdrucks und Wirkens zu geben.

Dem Vorstand wie dem übrigen Mitgliederkreis der Kultur- und Bildungsgesellschaft Balticult gehören, wie bereits erwähnt, Menschen verschiedener Altersstufen und sozialer Hintergründe aus alten und neuen Bundesländern an. Damit wahren wir ein formell wie inhaltlich ausgewogenes Verhältnis innerhalb unserer Organisation, im Zeichen der "Kerzenrevolution" von 1989, die in die politisch-demokratische "Wende" von 1990 überging und ein gesamtdeutsches wie mitteleuropäisches, historisch bedeutendes Ereignis gewesen ist und auch heute unser Denken wie Handeln bestimmt.

Es entspricht unserer geografisch am Ostseeraum ausgerichteten europäischen Dimension, das sich der Gesellschaft Balticult auch Menschen an Orten, wie dem litauischen Kaunas oder nordlettischen Cēsis angeschlossen haben.

Damit Vorstand und aktive Mitglieder kulturell und organisatorisch nicht nur im eigenen Saft schmoren oder gar durch geistige Kurzsichtigkeit verblöden, gibt es einen Sachverständigen-Beirat. Das ist ein Expertengremium, dessen Angehörige nicht unbedingt zugleich Mitglieder der Gesellschaft Balticult sein müssen. Dies soll die gesellschaftliche und soziokulturelle ‚Bodenhaftung’ unserer Gemeinschaft sichern helfen.

Geplaudert, geplant, gestritten, gelacht, getrunken und gegessen wird an Runden Tischen der Aktiven mit allen dazugehörigen 'Ecken und Kanten' einer Gemeinschaft. Es gibt einen regelmäßig stattfindenden „Runden Tisch“ in Hamburg (jeden ersten Mittwoch im Monat) sowie weitere Zusammenkünfte in der Offiziersmesse an Bord unseres Hauptsitzes, des Trawlers MS Stubnitz, im Rostocker Stadthafen, und an unterschiedlichen Örtlichkeiten in der Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin.

Gern nehmen wir Ratschläge von Leuten entgegen, die in vergleichbarer Lage das, was sie bei Balticult kritisieren, besser machen oder die mithelfen wollen, ihre Ideen und Vorschläge mit uns gemeinsam umzusetzen. Unsere Gesellschaft hat sich zwar auf vereinsrechtlicher Basis gegründet, von „Vereinsmeierei“ halten wir allerdings gar nichts! Unsere Hauptadresse lautet:

Balticult - Gesellschaft zur Förderung interregionalen Bildungs- und Kulturaustauschs e. V.
c/o Kulturschiff MS Stubnitz
Warnowufer - Stadthafen (LP 82)
D - 18057 Rostock

Für die Entfaltung unser Tätigkeit in den ländlichen Außenstellen in Nord- und Südwestmecklenburg benötigen wir dringend einiger Sachspenden:

  1. Funktionsfähiger Traktor (Trecker)
  2. Bauwagen (heil und regendicht)
  3. Boot oder Kanu (groß)
  4. Transportable und zerlegbare Stellwände (für Ausstellungen)
  5. WebCam
  6. Frühmittelalterliches Zelt (für drei bis fünf Personen)
  7. Kleinbus oder Transporter

Außerdem suchen wir noch immer eine Bleibe auf dem Land (Schloss, Burg, Herrenhaus, Bauernhof...) für einen symbolischen Euro.